Entwicklerblog SN: Revolution

  


Entwicklerblog Daniel (2): Der Kontakt

Im Fahrstuhl stehend, denke ich daran, dass am Vortag, dem 14.12.11, das Magazin „TIME“ seine „Person of the Year“ verkündet hat. Und wer ist das dieses jahr – klar, „The Protester“. Ein gutes Omen für ein Revolutionsspiel – oder bin ich schon viel zu spät?

 

First Contact

Auf jeden Fall zu spät komme ich zur Leseperformance in der Stadtbücherei – der „Jakob“-teil geht schon dem Ende zu. Überblendete Illustrationen aus dem Buch, Kameraschwenks, dazu ein live lesender Schauspieler. Crossover scheint schon mal kein Problem zu sein.

 

Der zweite Teil ist absolut fesselnd. Felix lässt hinter die Kulissen blicken, erzählt vom Designen eines Charakters, davon, wie Kostümwahl, Frisur, Haltung eine Figur lebendig werden lassen. Da spricht jemand, der weiß, was er tut. Und sein Animationsfilm-Studium macht sich in meinen Augen sehr bemerkbar. Ein Comic-Zeichner, der Filmdramaturgie beherrscht – Sapperlot!

Nach der Veranstaltung allgemeines Signieren, Small Talk, bis ich den richtigen Moment erwische, und ihm meine Idee „pitche“. Er ist ganz Ohr, sagt sofort, ich dürfe mich gerne beim Comic bedienen, er könne sich auch eine Beteiligung als Grafiker vorstellen … Wir verbleiben sehr offen, doch ich spüre, hier beginnt etwas.

 

Wintertage

Über Weihnachten und Neujahr entwickle ich weiter. Die Zahlenwerte der Gruppen reduzieren sich auf 3 – 10, wobei die „3“ als Verräter gespielt wird: man stärkt zwar dieser Gruppe um den Wert 3, darf aber eine beliebige Karte dieser Gruppe, die ein Mitspieler gespielt hat, umdrehen und damit unwirksam machen. Auch die „Chaos“-Karten nehmen Gestalt an– man deckt die nächste „Pro Regime“-Karte auf und ersetzt so die aktuelle. Praktisch, denn diese Karten zählen negativ für diese Gruppe – wenn sie den Stich gewinnt. Ein Stich dauert noch 2 Karten pro Spieler und wird reihum gespielt.

Punkte bekommt man durch gewonnene Stiche sowie „Zwischenwertungen“ – jeweils in Form von 5er-Markern, was zu heftigen Endergebnissen führen kann:

 

 Die kleinen 5, die großen 10. Ein mögliches Endergebnis

 

Doch auch die Regelung, dass eine Gruppe, die mit zu viel Vorsprung gewinnt, sofort wieder gestürzt wird, gibt es schon – und bleibt. Ebenso wie die unterstützenden Karten, die man als „Joker“ jeder anderen Karte beifügen darf.

 

Die Grafik kommt ebenfalls voran. ich bediene mich aus dem Internet (Rechteinhaber, bitte melden!) und bei „Steam Noir“. Ich mache einige Fotos und schicke sie mitsamt einer Spielbeschreibung Anfang Januar an Felix. Wir verabreden uns zum Spielen bei ihm zuhause.

 

 Zusammengeklaubte Grafik, aber mit Charme …

 

Zu viert sitzen wir dann um den Wohnzimmertisch in Ludwigsburg: Felix, Doris, Verena und ich. Und zocken um die Herrschaft nach Abgang des Kaisers. Wir stellen fest, was alles noch hakt und wie teilweise unberechenbar das alles ist. Soll es ja auch, finden wir – Felix ist jedenfalls begeistert. Denn Atmosphäre und Stil passen perfekt in die „Steam Noir“-Welt. Das Misstrauen jedem gegenüber, die geheimen Ziele. Wir überlegen, welche Verlage eventuell Interesse haben könnte. Auf jeden Fall wollen wir das Spiel als „Paket“ weiterentwickeln.

 

Doch vieles wirkt auf mich noch wacklig. Ich nehme das Spiel und die bisherigen „First Draft“-Regeln mit auf ein Spieleautoren-Wochenende, das jährlich in Bödefeld stattfindet. Dort treffen sich erfahrene Kollegen im engen Kreis, sprechen intensiv über Projekte, Ideen, Möglichkeiten, arbeiten an konkreten Plänen. Hier wurde die Idee zur vielbeachteten Weilburger Spieleautorentagung geboren, und dieses Mal wird eine Genossenschaft gegründet werden.

 

Prototypen spielt man da nicht, da bin ich mir sicher. Aber so für mich im Pensionszimmer ein paar neue Ideen abwägen, mit den Karten auf dem Tisch, das kann ich mir vorstellen.

 

Mann, bin ich naiv!

 

Daniel Danzer

 

Nächste Woche: Okaaaay …



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