Entwicklerblog SN: Revolution

  


Spieleinführung (5): Der Spielspaß – und ein erster Tipp

In den ersten vier Teilen der Spieleinführung habe ich versucht einen Überblick über die Spielregeln zu geben, ohne daraus eine trockene Regelerklärung zu machen. Ich hoffe, das ist mir zumindest im Ansatz gelungen. Doch worin besteht eigentlich der Spielreiz, bzw. Spielspaß bei „Steam Noir: Revolution“? Das steht ja nicht in den Regeln, und kommt auch in der bisherigen Erklärung eher am Rande vor.

 

Spielspaß hat ja weniger mit „unglaublich lustigem Spiel“ zu tun, sondern mit dem Gefühl, im Spielgeschehen aufzugehen, einzutauchen, alles andere zu vergessen. Nennen wir es „Hingabe“. Diese findet auf zwei Ebenen statt. Bei Solitär- oder Puzzlespielen spielt jeder Spieler ausschließlich für sich. Es werden Aufgaben gestellt, die jeder lösen muss. Die Interaktion zwischen den Spielern ist dabei null, eine Hingabe findet nur zwischen jedem einzelnen und dem Spiel selbst statt. Anders bei Party- und Kommunikationsspielen: Wer gewinnt, ist fast egal, Kommunikation und Geselligkeit innerhalb der Spielerunde stehen im Vordergrund, die Hingabe ist vor allem sozialer Natur. Meist gibt es in einem Spiel beide Elemente, wie z.B. beim Schach: Das Duell ist der Suche nach dem besten Zug ebenbürtig. Die für ein Spiel angemessene Art von Gleichgewicht zwischen diesen beiden Arten von Hingabe (vorausgesetzt natürlich, diese findet überhaupt statt) ist für mich ein wichtiger Indikator für die Stimmigkeit eines Spielerlebnisses, und damit die Qualität eines Spiels.

 

Bei „Steam Noir: Revolution“ wollte ich von der ersten Idee an den Akzent auf die Interaktion legen, aber erst im Laufe der Entwicklung (s.a. Teil 4 meines Entwicklerblogs) fand ich die Mittel dazu, und das richtige Gleichgewicht. Natürlich stellt man sich im Spielverlauf auch die Frage, welche Karten man am besten abwerfen sollte, um die eigene Kartenhand optimaler zu gestalten. Oder wie man das Wertungssystem so für sich nutzen kann, dass man am Ende siegreich dasteht. Doch das Spiel ist genau so sehr „chaotisch“, dass man alleine mit Rechnerei nicht durchkommt. Der zentrale Spielspaß – und auch der Weg zum Sieg – liegt woanders. Noch bei jeder der vielen Testpartien „Steam Noir: Revolution“ gab es aufgeregte Argumentationen, Werbung für Fraktionen, offene Absprachen und augenzwinkernde Intrigen gegen Mitspieler, nicht gehaltene Versprechen, Aufschreie von „HA!“ bis „naaaiiiin!“, Drohungen und das triumphale Vorweisen einer Siegerkarte, mit der kein Mitspieler gerechnet hatte. Es kommt darauf an, seine Mitspieler zu „lesen“, deren Aktionen richtig zu deuten, sie ihrerseits in die Irre zu führen, oder gar mal anzulügen. Was sich mit der Atmosphäre bei politischen Umwälzungen deckt – und der Ungewissheit, die Lesern der „Steam Noir“-Reihe wohlbekannt sein dürfte.

 

Strategie-Tipp:

Einen ersten Hinweis zur Strategie möchte ich dennoch geben: Zu Beginn einer Revolution solltest du vorsichtig agieren. Ja, du magst starke Karten für deine Siegerfraktion auf der Hand haben. Spielst du sie aber zu früh, werden deine Ziele allzu deutlich, und du wirst angreifbar. Außerdem hast du dann zwar schon ordentlich Punkte bei der Wertung liegen — aber keinerlei Chance mehr, falls es einem Spieler gelingt, die Revolution zu unterwandern, und mit allen Kräften den Kaiser zu stärken. Sammle lieber deine Kräfte in der Kartenhand, und schlage im entscheidenden Momenten zu. Das richtige Timing zählt!

 

Daniel Danzer

 



Kommentar schreiben